1. Platz für die Klasse 5c beim zweiten großen Schulwettbewerb von PILOT

Die Klasse 5c des Gymnasiums Rheindahlen nahm am zweiten großen Schulwettbewerb zum Thema „Vielfalt bunt erleben“ von PILOT teil und freut sich nun über den 1. Platz und 750 € für die Klassenkasse.

In Auseinandersetzung mit dem Unterrichtsmaterial zur interkulturellen Bildung von PILOT entwickelten die Schülerinnen und Schüler die Idee einer Fotomontage, in der sie das Schubladendenken aufheben und zum Nachdenken anregen möchten.

Als kleine „Miniakteure“ stehen für sie die Aspekte Freundschaft, Gemeinschaft und Hilfsbereitschaft im Mittelpunkt.
Weiterhin verbinden u.a. Sport, Kunst und kulinarische Köstlichkeiten die verschiedensten Länder und Kulturen.

 

 

Anatevka in Rheindahlen – und anderswo

(Angelika Berten, Gü)

Ein Remake, das gibt es sogar in Hollywood. Und es ist immer spannend, die verschiedenen Fassungen miteinander zu vergleichen. Auch Eva-Maria Neelsen-Schaffer hat sich nach dem großen Erfolg des Literaturkurses von Christoph Günschmann an ein Remake gewagt und mit ihrer Theater AG das Musical erneut aufgeführt. Die Inszenierungsstory dahinter: In Anlehnung an das Alter der Darsteller wurden die beiden Inszenierungen intern zunächst „große“ und „kleine“ Anatevka genannt. Im Laufe der langen Vorbereitungszeit haben sich die „Kleinen“ enorm entwickelt und man darf sagen, dass aus der „kleinen“ eine „genau so große“ Anatevka geworden ist!
Die Ursprünge der „genau so großen“ Anatevka liegen in dem Wunsch einiger hochmotivierter Kinder, die an Frau Neelsen-Schaffer herantraten, um auch einmal einige Lieder und Tänze einzustudieren, die ihnen bei der großartigen Aufführung des Literaturkurses so gut gefallen hatten. Es waren einerseits große Fußstapfen, in die Frau Neelsen-Schaffer trat, andererseits hatte sie aber auch eine gute Ausgangsposition, denn sie konnte einiges aus dem Fundus von Requisiten und Kostümen für ihr Ensemble nutzen. So auch die zauberhaften Bühnenbilder, die der Kunstkurs des jetzigen Abiturjahrganges unter der Leitung von Frau Dr. Sandra Boschenhoff im Stil von Marc Chagall schuf und die ihrem Vorbild wirklich alle Ehre machen. Ein schönes Fundament, das die Theater AG geschickt verwendete und weiter ausbaute.

Auch einige Darsteller durften beide Aufführungen aktiv erleben. Aus früheren Nebendarstellern oder gar Statisten wurden jetzt Hauptdarsteller und es war ein besonderer Kunstgriff von Frau Neelsen-Schaffer für die Hauptrolle den etwas älteren Lennart Freuen zu gewinnen. Lennart gelang es besonders, die Entwicklung in der Stimmung des Stückes zu begleiten. Vom heiteren Beginn bis zum getragenen Schluss war er eine gelungene Leitfigur und prägte durch sein Können und die fortgeschrittenere Bühnenreife das ganze Stück sehr positiv.


Und so nahm das Stück seinen turbulenten und farbenfrohen Lauf und die drei Liebespaare durften sich finden. Sebastian Schaffer besang als Mottel energiegeladen das Wunder der Liebe und Doreentina Osmani lauschte ihm beglückt und bildhübsch als verliebte Braut Zeitel. Während Mottel noch klassisch beim Vater um die Hand seiner Zeitel anhält, gehen Perchik und Hodel einen neuen Weg und fordern neue Freiräume für die Liebe. Piet Schöbel überzeugte mit Bühnenpräsenz und Leidenschaft und Lara Meyer entwickelte sich als Hodel großartig vom süßen Mädchen zur verliebten jungen Frau, die ihrem Perchik in die Armut nach Sibirien folgt. Besonders schwer macht es die mächtige Tradition für Chava und Fedja, einem russischen Christen. Tevje verweigert ihnen zunächst seinem Segen. Jolina Passow und Emma Jansen gelang es berührend und jeweils wechselnd in den Rollen der Liebenden die Zerrissenheit zwischen ihrer Herkunft und ihrer Liebe auszudrücken.

Bei so viel junger Liebe stellt schließlich auch Tevje sich und seiner Golde die Frage, ob sie ihn liebt… Annika Windeln, die trotz des großen Altersunterschiedes zu Lennard eine wunderbar dominante, reife, resolute und organisierte Golde gab, überzeugte auch ganz besonders in diesem besinnlichen Moment, in dem sie Golde das Wesen der Liebe für sich finden lässt. 25 Jahre Arbeit, Fürsorge und Nähe: auch das ist ein Gesicht der Liebe!

Wie in jedem Stück gibt es auch bei Anatevka Nebenrollen. Nebensache waren sie nicht!
Bagithra Paramananthan als lebenskluger, gewitzter Rabbi und Evelyn Huang wieder gelungen als Fiedler auf dem Dach. Auch Savo Djokovic spielte präsent und lebendig den verschmähter Lazar Wolf und energischen Wachtmeister mit einem schönen Sinn für das sprachliche „timing“. Finja Höing, Julia Nossek, Johanna Lilotte, Katharina Aretz, Jonas Pilz und Sandra Beek erfüllten in vielfacher Besetzung und mit rasanten Kostümwechseln das Dorf mit Leben, Gesang und Tanz. Jeder und jede Einzelne voller Spielfreude und Energie und so ein unverzichtbares Puzzleteil im großen, bunten Anatevka. Als Tevjes Familie und das Dorf auseinandergerissen werden, hält die Tradition sie aufrecht und die Liebe zusammen. Anatevka hat kein glückliches, aber ein versöhnliches Ende.

Frau Neelsen-Schaffer hat in diesem Jahr der Vorbereitung viel geleistet: Regie geführt, organisiert, dirigiert, gelehrt, geprobt, genäht, vernetzt, getröstet, geschlichtet, motiviert und ganz sicher auch viel gelacht. Neben ihrer großen Erfahrung als Cellosolistin bzw. Orchestermusikerin hatte sie bereits vor vielen Jahren spannende Theaterprojekte – beispielsweise in Brasilien – gestaltet. Mit ihrer großen Liebe für und Kenntnis von der Bühne konnte sie auch neue Ressourcen für die Theater AG unseres Gymnasiums gewinnen:
Sehr schön waren die Tanzeinlagen. Hier hatte Frau Schaffer Lara Diez von der Musikschule Mönchengladbach als professionelle Tanzlehrerin für das Gymnasium Rheindahlen gewinnen können. Die lebendigen, abwechslungsreichen und präzisen Tänze sprachen für sich und begeisterten!
Auch der Gesang der Kinder präsentierte sich hervorragend. Sie sangen sicher, verständlich und sorgen mehr als einmal für Gänsehaut. Auch hier kam dem Stück Frau Neelsen-Schaffers Fähigkeit zugute, Menschen zu motivieren. Markus Heinrich vom Theater Krefeld-Mönchengladbach unterstützte den Chorleiter Christoph Günschmann mit einem Workshop für die Kinder und wertvollen Tipps bei der Generalprobe. Auch das sensible Klavierspiel von Christoph Günschmann hat die jungen Sänger gerade beim Sologesang so begleitet und gestützt, dass alle gekonnt und selbstbewusst ihre Lieder vortragen konnten.
Denn, was wäre ein Musical ohne Musik? Bei aller berechtigten Freude über die jungen Schauspieler dürfen die Musiker nicht vergessen werden. Frau Neelsen-Schaffer leitete auch das Schulorchester, spielte selber am Cello mit und vertiefte und erweiterte das Repertoire für die neue Inszenierung. Evelyn Huang (Geige), Franziska Berten (Cello), Sandra Beek (Cello), Johannes Schaffer (Cello), und Sebastian Schaffer (Schlagzeug) spielten routiniert und professionell. Ein besonderer Gewinn für das Orchester war diesmal Christin Steins mit ihrem bezaubernden Klarinettenspiel.

Ganz besonders schön erwies sich der Ort der zweiten Aufführung. Neben dem etwas in die Jahre gekommenen, altehrwürdigen PZ unserer Schule, präsentierte sich die Citykirche ausgesprochen edel. Ein riesiger Umzugsaufwand, aber wer kann Frau Neelsen-Schaffer stoppen? Herr Günschmann, sie selbst und etliche fleißige Eltern managten den Umzug und erfreuten sich und etliche begeisterte Zuschauer auch außerhalb der Schulgemeinde. Auch der Kooperations- und Hilfsbereitschaft vom Team der Citykirche gilt hier unser Dank.
Tradition oder Liebe, welcher Wert ist höher zu bemessen? Anatevka beantwortete auch diesmal diese Frage nicht. Aber man kann festhalten, dass die Liebe zum Theater an unserer Schule eine schöne Tradition geworden ist. Danke für die schönen Aufführungen!