19.04.2009

Grüße aus Barcelona

Unsere Schülerin Angela Leuver verbringt ein Jahr an unserer „International-Education“-Partnerschule in Barcelona.


Unsere Schülerin Angela Leuver verbringt ein Jahr an unserer „International-Education"-Partnerschule in Barcelona. In ihrem Brief berichtet sie über ihre Erfahrungen, ihre Schule und über das Leben in der katalanischen Metropole:

Meine Zeit in Barcelona

Planungen

Angela, wie kannst du nur ein Jahr ins Ausland gehen? Deine Familie, deine Freunde und deine Umgebung einfach für ein Jahr verlassen? Woher nimmst du den Mut?? Dies waren Fragen, die ich mir immer und immer wieder anhören musste. Aber ich habe es an keinem der bisherigen Tage hier in Barcelona bereut. Natürlich vermisst man seine Familie und Freunde, aber man lernt damit umzugehen und nach vorne zu schauen, denn Freunde und Familie werden immer da sein, aber die Möglichkeit einen Austausch zu machen nicht.

Es war schon immer ein großer Traum von mir die Welt kennen zu lernen und so viele Orte der Welt wie möglich zu bereisen. Andere Kulturen kennen lernen, andere Sprachen sprechen zu lernen und einfach mal zu sehen, wie Menschen unter anderen Lebensbedingungen so leben und klar kommen. Und als ich dann die Möglichkeit bekommen habe, nach Spanien zu gehen und die Schule, die ich schon durch meinen Austausch mit International Education kannte, musste ich keinen Moment darüber nachdenken.

Dann ging alles ganz schnell, ein Gespräch mit der Schulleitung hier und ein kurzer Flug nach Spanien, um mit der Schulleitung vor Ort alles abzuklären, und schon war alles unter Dach und Fach.

Sommer in Barcelona

Kurze Zeit später hatten wir Sommerferien und ich war schon auf dem Weg nach Spanien um meinen ersten Sprachkurs zu besuchen. Bis dahin konnte ich weder Spanisch noch Katalanisch reden.

Es war eine Herausforderung, die ich gerne angenommen habe. Meine ersten Wochen waren nicht einfach. Die Leute, die ich durch den Austausch kannte, waren in den Sommerferien alle zu ihren Verwandten in die Dörfer oder in Urlaub gefahren. Daher war ich erstmal auf mich alleine gestellt. Die Familie, bei der ich wohnte, war die gleiche, bei der ich auch bei meinem International-Education-Austausch schon gewohnt hatte. Das Zimmer, in dem ich wohnte, war verglichen mit meinem Zimmer in Deutschland ziemlich klein. Es war eine Riesenumstellung für mich in der Familie klar zu kommen. Da ich auch kleine Geschwister bei mir zu Hause habe und es deshalb gewöhnt bin immer jemanden um mich zu haben, war es nicht einfach. [...]

Als ich den Sprachkurs zum ersten Mal betrat, dachte ich erst, ich wäre vielleicht im falschen Klassenzimmer oder so. Aber schnell stellte sich heraus, dass ich genau richtig war. Meine Klasse bestand größtenteils aus Schülern, die schon um die Dreißig, Vierzig  waren. Ich war mit Abstand die Jüngste. Im Nachhinein glaube ich, war das sogar das Beste, dadurch hab ich es geschafft, Katalanisch innerhalb von einem Monat fast flüssig sprechen zu können.

Der Kurs hat mir viel Spaß gemacht. Da ich pro Tag nur 4 Stunden Unterricht hatte, konnte ich den Nachmittag damit verbringen Barcelona zu erkunden oder am Strand mal so richtig die Seele baumeln zu lassen.

Als ich das erste Mal zum Strand gefahren bin, sind mir in der Nähe des Strandes zwei große Türme aufgefallen und ich habe mich gefragt, was die wohl darstellen mögen. Später stellte sich heraus, dass die Türme ein Denkmal der Türme des World Trade Centers sind, als Gedenken an das Unglück 2001. In Spanien nennt man diese Türme „Torre Mafre".

Was mir sofort aufgefallen ist, als ich in Barcelona angekommen bin, ist dass die Menschen hier viel wärmer sind als in Deutschland. Alle begrüßen einen mit offenen Armen und sorgen sich um dein Wohlergehen. Überall sieht man, wie die Menschen in aller Ruhe miteinander reden. In Deutschland laufen die Menschen quasi durch die Straßen und scheinen innerlich zu wollen, dass sie bloß keinen treffen, den sie kennen könnten.

Was mir auch aufgefallen ist, ist dass die Menschen hier in Spanien ganz anders gekleidet sind, zumindestens legen sie nicht so viel Wert auf die Kleidung. Das heißt jetzt nicht, dass die Leute hier irgendwie schlampig angezogen sind, nein, sie sind eigentlich vergleichweise mit der Mehrheit der Deutschen, besser angezogen. Es ist einfach nur so, dass die Menschen hier auf andere Sachen viel mehr Wert legen, als auf das Aussehen oder auf die Kleidung.

Hier in Spanien wird zum Beispiel sehr viel Wert auf das Essen gelegt. Die Menschen gehen lieber für 200 bis  300 Euro im Supermarkt einkaufen, als dieses Geld für Kleidung oder Elektronik auszugeben. Für sie sind die Mahlzeiten mit der Familie wie ein Ritual. An den Wochenenden wird zusammen Mittag und Abend gegessen und während der Woche isst man für gewöhnlich gemeinsam zu Abend. In Spanien gibt es auch nicht nur 3 Mahlzeiten am Tag sondern 4. Das was wir im Englischen unter Tea Time verstehen, ist bei ihnen eine kleine Mahlzeit, zwischen Mittag und Abend, die meistens aus Kuchen, Keksen oder auch einer Scheibe belegtem Brot besteht kann. Mittag- und Abendessen bestehen meistens aus 2 Tellern, sprich einer Vorspeise und dem Hauptgericht.

Das Essen in Spanien ist sehr abwechslungsreich und herzhaft. Als Vorspeise gibt es meistens „Pica-pica" oder auch Tapas, so nennt man es, wenn man viele kleine Teller mit den verschiedensten Sachen hat und jeder nimmt von dem, was er will, mit seiner Gabel und isst es. Auf den Teller hat man dann zum Beispiel Käse, spanischen Schicken, kleine Kroketten, das Innere von Muscheln, Tintenfisch und noch vieles mehr. Und danach gibt es dann das Hauptgericht, was alles mögliche darstellen kann, von Pasta über Paella bis Fisch oder Würstchen. Man muss daher sehr aufpassen, dass man nicht zu viel isst, sonst kommen die unerwünschten Kilos schneller als man denkt!

Was einem sofort auffällt, wenn man in der Innenstadt von Barcelona ist, ist dass es überall die verschiedensten Straßenkünstler gibt. Auf der einen Seite hat man Musiker, auf der anderen, Maler. Wenn man dann die Las Ramlas, die wohl berühmteste Straße in Barcelona, die direkt zum Hafen führt, entlang spaziert, sieht man viele Kleinkünstler. Die einen tanzen, die anderen zaubern. Jeder zeigt, was er kann, und so gibt es immer was zu sehen.

Wenn man am Hafen angekommen ist, ist es als sei man auf einem anderen Planeten. Es ist wunderschön. Im Sommer kann man sich dort ans Wasser setzten und einfach entspannen, vor allem nach einer langen Shopping Tour durch die Innenstadt, kann das recht erholend sein. Und wenn man danach wieder fit ist, kann man im Shoppingcenter am Hafen weiter Shoppen und für den Fall, dass man keine Lust mehr auf Shoppen hat, kann man sich in eins der unzähligen Cafés setzten und etwas Kühles trinken.

Zum Ende der Sommerferien habe ich so ziemlich alles Sehenswertes in Barcelona gesehen. Die Sagrada Familia, den Park Güell, den Hafen und noch vieles mehr. Der Park Güell hat mich persönlich, am meisten beeindruckt er ist wunderschön. Es gibt dort so einen Platz, wo man überall an den Rändern sitzen kann, und eine wundervolle Sicht über ganz Barcelona hat, vor allem bei Nacht ist es unbeschreiblich schön!

 

Schulanfang

Nach den Sommerferien war dann auch mein Kontaktlehrer Francois wieder da. Als ich davon erfahren habe, habe ich dann auch direkt Kontakt mit ihm aufgenommen und ihm gesagt, dass ich gerne die Familie wechseln würde. Er meinte, dass es kein Problem sei, und hat sich direkt darum gekümmert. An dem Sonntag bevor dir Schule wieder anfing, dann sein Anruf mit der Nachricht, dass er eine neue Familie gefunden habe und ich am nächsten Tag direkt einziehen könne. Ich habe mich sehr gefreut und direkt angefangen zu packen.

Der Schulalltag in Spanien ist etwas anders als in Deutschland. Hier fängt die Schule erst um 8:15 Uhr an und endet um 17:00 Uhr. Eine Schulstunde ist 60 Minuten lang und nicht 45 Minuten wie bei uns in Deutschland. 15 Minuten hören sich so nicht viel an, aber wenn man im Unterricht ist, merkt man den 15 Minuten unterschied dann doch schon ziemlich deutlich. An einem normalen Schultag hat man 2 Pausen. Die erste ist von 11:15 Uhr bis 11:45 Uhr und die zweite ist von 14:35 Uhr bis 15:15 Uhr und ist gleichzeitig die Mittagspause. In der Mittagspause essen alle gemeinsam in der Mensa zu Mittag. Bis zur 10. Klasse ist es Pflicht in der Schule zu Mittag zu essen. Wenn man dann in der Oberstufe ist, kann man selbst entscheiden, ob man in der Schule essen möchte oder lieber nach Hause geht um zu essen.

In Spanien ist auch üblich, dass du bis zu deinem Abschluss nur eine Schule besuchst. Hier wirst du mit dem alter von 3 Jahren eingeschult. Die ersten Jahre besuchst du eine art Kindergarten in der aber auch schon ein paar Stunden unterricht gemacht wird. Und im alter von 6 besuchst du dann das was man bei uns Grundschule bezeichnen würde, hier nennt man es Primaria. Wenn du dann in der 6 Klasse bist, besuchst du das was man bei uns weiterführende Schule nennen würde sprich Gymnasium, Realschule, Gesamtschule etc. nur mit dem Unterschied das hier alles auf einer Schule ist und es diese Differenzierung zwischen Gymnasium, Realschule etc. nicht gibt. Hier ist es auch so wie bei uns, nicht Pflicht die Oberstufe zu besuchen. Die Oberstufe hier besteht aus 2 Jahren.

Der Schulalltag hier in Spanien ist ziemlich hart. Nicht nur dass man bis 17:00 Uhr Schule hat, man bekommt auch noch Hausaufgaben auf, die man dann abends noch machen muss. Hier bleibt kaum noch Zeit für ein Hobby und wenn man doch eins hat, muss man meistens auf seine Freizeit verzichten. Am Anfang war es nicht einfach für mich, mich an den Tagesablauf zu gewöhnen, aber mit der Zeit ist es immer besser geworden.

Was mir an der Schule hier sehr gut gefällt ist das gute Verhältnis zwischen Schülern und Lehrer. Die Schüler können mit den Lehrern über alles reden und den Lehrern ist das Wohlergehen eines jeden Schülers sehr wichtig, das fiel mir schon in den ersten Tagen extrem auf. Alle Lehrer, denen ich über den Weg gelaufen bin, haben sich nach meinem Wohlergehen erkundigt und gefragt, ob alles in Ordnung sei oder ob ich irgendetwas bräuchte. Vor allem mein Klassenlehrer kam jeden Tag zu mir und fragte mich, ob ich mich wohl in der Klasse fühle und ob ich zurechtkomme. Alle haben sich sehr um mich bemüht und wollten, dass es mir gut geht. Ich wurde also sehr herzlich aufgenommen und habe mich auf Anhieb wohl gefühlt.

In Deutschland ist es üblich, dass man während der Schulzeit hauptsächlich auf die Universität vorbereitet wird. In Spanien wird man eher auf das Leben vorbereitet, man erhält mehr Allgemeinwissen. Dadurch sind die Spanier weltoffen und neuen Erfahrungen gegenüber nicht sehr skeptisch. Was mir auch sehr stark aufgefallen ist, ist dass die Spanier weniger Probleme haben sich zu präsentieren und vor einer Gruppe frei zu sprechen. Sie werden von klein auf darauf vorbereitet über bestimmt Themen Präsentationen zu erstellen und sie vorzutragen. Schon in der 4 Klasse muss man seine eigenen Mappen über die verschiedensten Themen erstellen und Informationen aus dem Internet sammeln.

 

Liebe Grüße Angela